15. Wiener Rheumatag und meine Eindrücke

Rheuma hat viele Gesichter. Diese wurden beim Rheumatag in Wien vorgestellt. Aus Sicht der TCM ist dem aber noch so einiges hinzuzufügen.

Vielleicht lag es ja am wunderschönen Wetter und daran, dass sich dadurch die rheumatischen Schübe weniger bemerkbar machen, dass so wenige Besucher ins Rathaus gekommen sind, um dem 15. Wiener Rheuma Tag beizuwohnen. Zumindest war das mein Eindruck, denn aufgrund der (leider!) hohen „Popularität“ dieser grausamen Krankheiten hätte ich mit viel mehr Besuchern gerechnet.

Das Ambiente im Festsaal des Wiener Rathauses war wie immer wunderschön. Ich wurde, passend zum heutigen Faschingsbeginn, mit einem riesigen Krapfen begrüßt. Auch wenn es jetzt etwas nach Streber und Frau-Super-Ernährungsberaterin klingt, ich habe den Krapfen ausgelassen. Am Nachmittag hätte ich einen Gusto drauf bekommen, aber da gab’s leider keine mehr. ;-)

Was mich vor allem interessiert hat, waren die Fachvorträge. Diese fanden den ganzen Tag lang statt, was ich sehr toll fand. Es wurde allgemein über Rheuma und die verschiedenen Formen der rheumatischen Erkrankungen informiert aber auch auf einzelne Formen wie Arthritis, Arthrose, Kollagenosen und Schuppenflechte eingegangen.

Mich hat das viele theoretische Wissen bereichert aber wäre ich eine Betroffene, dann hätten mir ganz konkrete Hilfestellungen, Tipps und Maßnahmen zur Linderung meiner Beschwerden gefehlt. Es wurde lediglich in vielen der Vorträge erwähnt, dass Physio- und Ergotherapie, Psychotherapie, spezielle Therapien für Begleiterkrankungen und Selbsthilfegruppen wichtige Bestandteile sind.

 

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Überrascht und erfreut hat es mich, dass einige der Vortragenden sehr deutlich dazu aufgerufen haben, sich sehr gründlich untersuchen zu lassen und darauf zu bestehen, dass der Arzt die Gelenke auch betastet. Das Betasten der Gelenke ist anscheinend sehr wichtig für die Diagnose, denn eine weiche Schwellung deutet auf Arthritis hin, eine harte Schwellung, also harte geschwollene Gelenke, deutet auf Arthrose hin. Das Abtasten ist anscheinend keine Selbstverständlichkeit.

 

 

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Gewarnt, so ist es mir vor gekommen, wurde auch von einer zu schnellen Verschreibung von Cortison. So hilft es zum Beispiel nicht, Cortison bei Polyarthrose zu verabreichen. Laut den vortragenden Ärzten gibt es ein paar sehr wenige Ausnahmen, bei denen Cortison als Spritze direkt ins Gelenk indiziert ist.

 

3 konkrete Tipps möchte ich vom Rheumatag mit dir teilen:

  • Bei Fingerpolyarthrose ist eine Mobilisierung der Gelenke sehr wichtig. Als Betroffener kauft man sich zwei Schaumstoffbälle und knetet diese jeden Tag in der Früh, am besten im Waschbecken mit warmem Wasser. Oder in der Badewanne, wenn du gerne badest.
  • Und der 2. Tipp, den wir Frauen alle befolgen sollten: Handtaschen, die meistens einige Kilos wiegen, oder Einkaufstaschen nie in der Hand halten, sondern über den Unterarm hängen. Das schont die Hand- und Fingergelenke, die sehr stark anfällig sind. Und ja, wir wissen natürlich alle, dass Rucksäcke grundsätzlich das Gesündeste wären… sind halt nicht so schön wie unsere geliebten Handtaschen?
  • Der 3. Tipp gilt für alle gleichermaßen: schwer zu öffnende Verschlüsse von zum Beispiel Einmachgläsern sollten immer mit Hilfsmittel geöffnet werden. Wenn wir uns plagen und Minuten lang versuchen, ein Glas zu öffnen, schwächen wir damit anscheinend unsere Gelenke enorm.

 

Sehr schmerzhaft habe ich einen TCM-Arzt oder TCM-Therapeuten auf dem Wiener Rheumatag vermisst. Da ich aus Erfahrung weiß, welche schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung TCM Kräuter, Akupunktur und die Ernährung nach der TCM haben, fand ich es sehr schade, dass die Traditionelle Chinesische Medizin leider nicht vertreten war. Aber vielleicht ändert sich das 2016!

Daher möchte ich zu den rheumatologischen Beschwerden Arthritis, Gicht und Psoriasis einige hilfreiche Tipps aus Sicht der TCM Ernährung mit dir teilen.

 

TCM Ernährung bei Rheuma – speziell bei Arthritis

Zu unterscheiden ist in der TCM die Kälte-Form von der Hitze-Form der Arthritis.

Bei der Kälte-Form der Arthritis führen Kälte, Wind und Nässe zu Verschlechterung der Symptome. Du neigst du kalten Händen und Füßen, Rückenschmerzen, Durchfall oder weichem Stuhl mit unverdauten Speiseresten, weichem Gewebe, Müdigkeit und Antriebslosigkeit.

  • Ernähre dich warm!
  • Deine Mahlzeiten sollten gekocht und nicht roh sein
  • Verzichte vor allem auf Milchprodukte, Südfrüchte, Zucker, Rohkost, Salate, Kaffee
  • Haferflocken-Porridge in der Früh, wärmende Suppen und Eintöpfe, moderate Mengen an Rindfleisch, Buchweizen und Grünkern, aber auch Kochen mit erwärmenden Gewürzen wie Kardamom, Lorbeer, Kümmel und Petersilie wärmen deinen Körper und wirken der Kälte entgegen
  • Mein Extratipp: Ein wirklich gutes Thermobehältnis macht Freude, wenn du vorkochst und das Essen in der Arbeit oder unterwegs auch noch warm genießen kannst. Investiere ein paar Euro in dein Wohlbefinden und die Pflege deiner Mitte. Ich verwende schon seit langem die Thermobehältnisse von Esbit*. Aus Edelstahl, ohne Plastik und für Extremsituationen konzipiert.
  • Trinke heißes Wasser, Fencheltee, Ingwerwasser oder Tee aus grünem Hafer

Die Hitze-Form der Arthritis zeigt sich darin, dass die geschwollenen Gelenke warm bis heiß sind und zu Errötung neigen. Achte darauf, ob deine Ausscheidungen (Stuhl, Urin, Schweiß) übelriechend sind oder du zu gelblichem Ausfluss neigst. Hitze-Nässe zeigt sich auch an roten, entzündeten, nässenden Hautausschlägen.

  • Streiche Fettiges, Gebratenes, Frittiertes von deinem Speiseplan!
  • Auch Fleisch solltest du reduzieren und auf Meeresfrüchte sowie Lammfleisch verzichten
  • Scharfe Gewürze wie Pfeffer, Chili, Muskat, Zimt oder Curry werden deine Beschwerden verschlimmern, ebenso wie Zwiebel, Knoblauch und Lauch
  • Alkohol, Essig und Yogi-Tee sind ebenso erwärmend bis heiß
  • Was deinen Gelenken gut tun wird ist Gekochtes, aber thermisch Neutrales bis Kühlendes, leicht Bitteres
  • Fisch, Gemüse, Salate als Beilage, Hirse, Reis, Mungbohnen, Beeren, Obst, Gemüsesäfte und Algen kühlen die Hitze und nähren deine Säfte, die durch die Hitze meist leiden
  • Grüner Tee, Maishaartee, Kamillentee, Löwenzahntee sind kalt bis kühlend und leiten Hitze aus

 

TCM Ernährung bei Rheuma – speziell bei Gicht

Gichtanfälle sind teuflisch, extremst schmerzhaft und stehen aus Sicht der TCM mit Nässe-Hitze und Toxinen in Verbindung. Das Wichtigste ist es, weitere Nässe-Hitze-Ansammlungen zu vermeiden und daher auf erhitzende und Nässe erzeugende Nahrungsmittel zu verzichten! Im weiteren Schritt sollten diese Hitze-Toxine aus dem Körper geschwemmt werden, was ich bei Gicht-Betroffenen nur unter ärztlicher Aufsicht empfehle. Da ausleitende Verfahren ein Ansteigen der Harnsäure bewirken, kann es gerade beim Entgiften des Körpers zu einem heftigen Gichtanfall kommen. Daher vorher immer mit dem Arzt besprechen, bevor du entgiftest und ausleitende Kräuter zu dir nimmst!

  • Du solltest bei Gicht einige Wochen lang tierische Eiweiße komplett meiden und auf Fleisch, Fisch, Milch, Käse, Wurst sowieso, aber auch auf Butter, Joghurt und Sauerrahm verzichten – deine Gelenke werden es dir danken
  • Süßes, Bananen und zu ziele Kohlenhydrate erzeugen Nässe in deinem Körper – meide auch diese Nahrungsmittel für einige Wochen, und du wirst einen Unterschied merken
  • Was deinen Gelenken gut tun wird, ist Gekochtes aber thermisch Neutrales bis Kühlendes
  • Fisch, Gemüse, Salate als Beilage, Hirse, Reis, Mungbohnen, Beeren, Obst, Gemüsesäfte und Algen kühlen die Hitze und nähren deine Säfte, die aufgrund der Hitze meist in Mitleidenschaft gezogen worden sind

 

TCM Ernährung bei Rheuma – speziell bei Psoriasis

Auch rheumatische Psoriasis ist eine Nässe-Hitze-Erscheinung aus Sicht der TCM. Leidest du unter Psoriasis, dann empfehle ich dir, streng auf deine Ernährung zu achten. Der Verzicht ist für die Besserung deiner Symptome ausschlaggebend.

  • Verzichte auf alles Frittierte, Gebratene, Fettige, Schweinefleisch, Lammfleisch, Geflügel und Meeresfrüchte
  • Ebenso können Käse, Milch, Bananen, Zucker und zu viele Kohlenhydrate Nässe in deinem Körper erzeugen und deine Psoriasis-Symptome verschlechtern
  • Alkohol, Essig, Rauchen und scharfe Gewürze sind leider auch kontraindiziert
  • Ernähre dich von warmen, gekochten Speisen, mild zubereitet und gewürzt, gedünstet, gedämpft oder auch im eigenen Saft gegart
  • Suppen, Eintöpfe, Salate als Beilage, Fisch, Hirse, Reis, Quinoa, Mungbohnen, Algen, Gemüsesäfte und Obst werden dir gut tun

 

Sehr gefreut habe ich mich beim Rheumatag über den Vortrag von Franz Dallinger aus der Gastgewerbeschule und Mag. Ilona Leitner, Vorstandsmitglied der österreichischen Gesellschaft der Phytotherapie.

Herr Dallinger hat mit Begeisterung einige Rezepte für Gicht-Patienten vorgestellt, und ich war überrascht, wie gut die empfohlenen Zutaten größtenteils mit meinen oben genannten Empfehlungen übereingestimmt haben. Ich hoffe, dass sein Rat möglichst vielfältig, bunt und frisch zu kochen und zu essen bei den Zuhörern die Lust auf das kochen geweckt hat. Mit Genuss und Liebe zu Kochen und sich ganz bewusst etwas Gutes zu tun, ist bereits ein riesiger Schritt in die richtige Richtung.

Mag. Leitner hat unter anderem einige Kräuter vorgestellt, die sie in der Apotheke gerne empfiehlt. Sie hat dazu aufgefordert, sich auch mit Naturheilkunde auseinanderzusetzen und vor allem der Natur Zeit zu lassen, zu wirken. 3 Mal eine Salbe zu schmieren oder Kräuterpräparate zu nehmen, ist nicht ausreichend. Man sollte schon einige Monate kontinuierlich dabei bleiben. Nur so hat die Natur die Möglichkeit, zu wirken. Empfohlen wurden (und da bitte wieder auf die Hitze/Kälte Pathologie aus Sicht der TCM achten!):

  • Beinwell – hier wird die Wurzel zur Salbe verarbeitet
  • Paprika – erhitzende, scharfe Paprikasalbe
  • Weißer-Senf-Salbe – auch erwärmend
  • Weihrauch – das Harz des Weihrauchbaumes wird in Salben gemischt, gehen aber nicht gut in die Haut. Daher sind Kapseln mit Weihrauch sehr zu empfehlen.
  • Brennnessel mit seiner kühlenden, ausleitenden Wirkung
  • Teufelskralle – die Speicherwurzel wird verarbeitet und wirkt Schmerz lindernd, abschwellend und Krankheitsbild verzögernd

 

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Über die Autorin – Anna Reschreiter

Anna ist Ernährungsexpertin nach den 5 Elementen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), Bloggerin, Autorin, Vortragende mit Leidenschaft. Auf ihrer Online Plattform www.annatsu.at ist es ihr eine Herzensangelegenheit zu vermitteln, dass die TCM Ernährung einfach, alltagstauglich und für jeden anwendbar ist. Ihren Blog lesen mittlerweile monatlich mehr als 20.000 Personen. Ihr Wissen vermittelt Anna nicht nur in ihren Blogartikeln, sondern auch in themenspezifischen eBooks, in Vorträgen und in Webinaren. Ihr TCM Durchstarterkurs „TCM Ernährung geht ganz einfach!“ zählt bereits mehr als 1.600 TeilnehmerInnen und 2018 haben sich die Tore der „TCM Jahresakademie“ geöffnet. Annas Leidenschaft gehört ihrer Arbeit, dem Experimentieren in der Küche, Essen und Genießen, Spaß am Sport und geistiger Bewegung. Ihr Herz gehört ihrem kleinen Sohn und ihrem Mann, mit denen sie am Stadtrand von Wien wohnt und das Leben genießt.


 

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There are 2 comments on this post

  1. Klaudia
    31. August 2016 13:04 Uhr

    Danke Anna, zum Glück weiß ich immer wo ich nachsehen muss, wenn ein Problem ansteht.
    Ich empfehle deinen Blog immer wieder sehr gerne weiter

    Reply
    1. Anna Reschreiter
      Anna Reschreiter Author
      31. August 2016 21:06 Uhr

      Vielen Dank, für deine lieben Worte, Klaudia! :-)

      Reply

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